Der Debütant mischt gleich mit
An den ersten zwei Renntagen des FIS Para Skilanglauf-Weltcups in Finsterau (Bayerischer Wald) sorgen Anja Wicker (MTV Stuttgart), Leonie Walter (SC St. Peter) und Johanna Recktenwald (Biathlon-Team Saarland) für deutsche Podiumsplatzierungen über zehn Kilometer. Der 15-jährige Thüringer Johannes Rank (WSV Trusetal) unterstreicht bei seinem ersten Weltcup-Start sein großes Talent.
Erster Auftritt auf der großen Bühne, erstes Rennen über zehn Kilometer – für Johannes Rank gab es am Mittwoch vor dem Einzelstart in der freien Technik einige Gründe, aufgeregt zu sein. Der Schüler vom Sportgymnasium Oberhof schaltete mit seinem Guide Adrian Schuler (WSG Schluchsee) aber sofort in den Konzentrationsmodus. „Wir sind das Rennen konservativ angegangen und wollten uns von Runde zu Runde steigern. Das hat sehr gut funktioniert“, bilanzierte Rank hinterher. Zu Buche stand im anspruchsvollen Feld bei den Männern mit Sehbehinderung am Ende ein beachtlicher achter Platz. „Johannes hat das technisch wirklich sehr sauber gemacht“, bemerkte auch der Bundestrainer Ralf Rombach.
Den Sieg schnappte sich der US-Amerikaner Jake Adicoff, genau wie tags drauf im Massenstart ebenfalls über zehn Kilometer in der freien Technik. In dem Rennen landeten Rank und Schuler auf dem 15. Platz. Die weiteren Deutschen, die am Mittwoch ausgesetzt hatten, konnten in den Kampf um die Medaillen nicht eingreifen. Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Robin Wunderle) wurde Achter und Lennart Volkert (PSV München, mit Ersatzguide Christian Winker) Zehnter. Beide hatten bei weichen Bedingungen Schwierigkeiten, ihre Schnellkraft auszuspielen. Theo Bold (WSV Isny, mit Guide Jakob Bold) wurde 14. mit zehn Sekunden Vorsprung auf Rank. Bolds Fokus gilt dem Klassik-Sprint am Samstag.
Kathrin Marchand knackt Paralympics-Norm
Dasselbe trifft auf zwei Deutsche in der Kategorie stehend zu. Kathrin Marchand (SC Bayer Leverkusen) und Sebastian Marburger (SK Wunderthausen) nutzten das Einzelstart-Rennen am Mittwoch als Test. Während Marburger – nach dem ersten Weltcup im Dezember Führender im Gesamtweltcup – Pech bei zwei Stürzen hatte und mit Rang 30 Vorlieb nehmen musste, ließ Marchand in der für sie eigentlich weniger geliebten freien Technik aufhorchen. Sie wurde beim Sieg von Sydney Peterson (USA) vor Zhiqing Zhao (China) und Vilde Nilsen (Norwegen) Vierte und sicherte sich die Qualifikation für die Paralympics im März in Italien.
Bester Deutscher bei den Männern stehend war sowohl am Mittwoch (Platz sechs) als auch am Donnerstag (Platz sieben) Marco Maier vom SV Kirchzarten. Der Lokalmatador Max Weidner (WSV-DJK Rastbüchl) kam auf die Ränge zwölf und zehn. „Damit bin ich zufrieden. Läuferisch war es hinten raus hart“, sagte der 36-jährige Niederbayer nach seinem Massenstart-Rennen. Dort landete Max Long (SV Kirchzarten) nach einem langen Zweikampf mit dem Schweizer Luca Tavasci knapp hinter dem Eidgenossen auf einem ordentlichen 18. Platz. Der Sieg ging an beiden Tagen nach China an Chenyang Wang.
Ein Tag wie im Traum für Anja Wicker
Für erste deutsche Erfolge in Finsterau sorgten Anja Wicker, Leonie Walter und Johanna Recktenwald. Wicker musste sich am Mittwoch im Einzelstart lediglich um 20 Sekunden der Weltcup-Führenden Oksana Masters (USA) geschlagen geben und holte Silber. „Ski und Arme haben gut zusammengepasst. Ich konnte die starken Damen hinter mir lassen. Das war einer dieser Tage, von denen ich im Training träume“, sagte sie. Im Massenstart kam Bronze hinter Yunji Kim (Südkorea) und Masters hinzu. Andrea Eskau (USC Magdeburg) wurde Achte bzw. Neunte, Merle Menje (StTV Singen) kam auf die Plätze 17 und 16.
In der Kategorie der Frauen mit Sehbehinderung sicherten sich Leonie Walter (mit Guide Christian Krasman) am Mittwoch und Johanna Recktenwald (mit Emily Weiss als Begleitläuferin) am Donnerstag jeweils Bronze. „Es war gut, das Rennen ruhiger angegangen zu sein – im Gegensatz zu anderen, die am Ende nachlassen mussten,“, bilanzierte Walter. Dass es für sie nicht zu noch mehr reichte, führte sie unter anderem darauf zurück, dass sie wegen anhaltender Probleme an der Schulter vor allem an Anstiegen verhaltener agieren muss. Linn Kazmaier (SZ Römerstein, Guide: Florian Baumann), der die Folgen einer krankheitsbedingten Trainingspause im Dezember noch anzumerken sind, erlief sich einen fünften und einen sechsten Platz. „Das werte ich positiv. Flo und ich wollten sauber laufen, ein gutes Tempo finden und es durchzuziehen. Das haben wir ganz gut geschafft“, sagte die 19-Jährige.
Der Bundestrainer Ralf Rombach zeigte sich zur Halbzeit des Weltcups größtenteils zufrieden mit den Leistungen seiner Mannschaft. „Im Langlauf hängen die Trauben sehr, sehr hoch. Das hat sich gezeigt“, sagte er. Wie hoch sie in der klassischen Technik hängen, wird sich am Samstag weisen. Dann steht in Finsterau der Sprint an, bevor zum Abschluss am Sonntag zwei Staffel-Rennen auf dem Programm stehen. Los geht es an beiden Tagen um 10 Uhr.
Weitere Informationen:
https://www.nordski.de
https://www.fis-ski.com/para-cross-country
https://www.weltcup-finsterau.com
Quelle: Nordic Paraski Team Deutschland